Archive for February, 2005

Samaria

Friday, February 18th, 2005

Habe eben den Film “Samaria” (사마리아) angeguckt…

Dabei handelt es sich um einen Film, in der es um eine Familie, in der die Mutter fruehzeitig verstorben ist. Der Vater ist Kriminalpolizist. Die Tochter ist im Gymnasium und hat nur eine einzige Freundin, die jedoch irgendwie nicht in die koreanische Gesellschaft passt. Die Tochter hilft ihrer Freundin bei ihrem “Hobby”, naemlich Sex fuer Geld. Jedoch macht sie es nicht unbedingt aus Geldnoeten.

Eines Tages wird sie dabei von der Polizei in flagranti ertappt und springt aus dem Motelzimmer. Sie ueberlebt schwerverletzt und ihr letzter Wunsch ist es, einen der letzten Freier nochmals zu sehen. Die Polizistentochter geht zu ihm und bittet ihn flehentlich den letzten Wunsch ihrer Freundin zu erfuellen. Dieser willigt jedoch erst ein, nachdem sie sich ihm hingegeben hat, wobei es fuer sie das erste Mal war. Im Spital angekommen muss sie entdecken, dass ihre Freundin in der Zwischenzeit verstorben ist. Auf der Bahre tot liegend ist ihr Gesicht jedoch bizarrerweise in einem Laecheln erstarrt.

Zu Hause angekommen moechte die Polizistentochter erst das gesamte Geld und das Agenda, wo fein saeuberlich die Freier notiert sind, verbrennen. Sie steckt es im Lavabo an, rettet jedoch alles indem sie Wasser darueber schuettet. Danach aeussert sie den Wunsch, das Geld der Freundin wieder zurueckzugeben. Sie gibt das Geld jedoch zurueck, indem sie erst mit dem Freier schlaeft und dann das damals erhaltene Geld zurueckgibt.

Per Zufall entdeckt ihr Vater das Treiben der Tochter und stellt in der Folge einige der Freier zur Rede. Jedoch kommt es auch zu einer Eskalation der Tagen. Eines Tages bewirft er das Auto eines Freiers mit Steinen und zertruemmert einige Scheiben. Ein anderes Mal besucht er einen der Freier zu Hause. Der Familienmann isst gerade mit seiner mustergueltigen Familie, als der Polizist ihn schlaegt und ihm Vorwuerfe macht. Der Familienvater schweigt und nimmt alles wortlos hin. Danach springt er aus dem Fenster in den Tod.

Beim naechsten Freier schlaegt der Polizist mit seinen Handschellen auf den Mann ein und verletzt ihn. Jedoch wehrt sich der Mann. Der Polizist holt einen Stein und schlaegt den Mann zu Tode. Jedoch war der Freier der letzte auf der Liste. Die Tochter entdeckt den toten Mann, streicht danach ihn als letzten in der Agenda an und wirft danach die Agenda weg. Zu Hause nimmt der Polizist eine Dusche, danach ueberrascht ihn die Tochter als er gerade seine Hand ueber den Dampfkochtopf haelt.

Eines Tages kommt die Tochter in Schuluniform nach Hause und ihr Vater schlaegt vor, einen Besuch beim Grab der Mutter zu machen und ein wenig auf dem Lande Erholung zu suchen. Sie brechen gleich auf und fahren zur Grabstaette. Der Vater verliert dort zum ersten Mal die Beherrschung vor seiner Tochter und beginnt zu weinen. Sie uebernachten vor Ort und am naechsten Tag fahren sie weiter. An einem Flussufer faehrt der Polizist das Auto ins Wasser. Die Tochter schlaeft und hat einen Traum, in der sie ihren Vater sucht, der sie jedoch erwuergt und am Flussufer mit ihren Kopfhoerern an vergraebt. Als sie jedoch erwacht und aus dem Auto steigt, entdeckt sie, dass ihr Vater eine Art Piste markiert hat. Der Polizist bringt seiner Tochter das Autofahren bei. Diese versucht es und macht gute Fortschritte. Waehrenddessen wird der Vater von der Polizei abgeholt, bei denen er bereits telefonisch ein Gestaendnis abgelegt hatte.

Die Tochter realisiert erst nach und nach, dass ihr Vater bereits weg ist. Sie versucht dem Auto zu folgen, bleibt jedoch im Schlamm stecken.

Es gibt noch jede Menge Details in dem Film. Der Film stellt eines der heutigen Vorgaenge in der heutigen koreanischen Gesellschaft dar. Es gibt sehr viele widerspruechliche Aussagen. Einerseits ist der Vater sehr konservativ, jedoch auch sehr liebevoll zu seiner Tochter. Die Jugend wird sehr rebellisch dargestellt und vor allem mit der Prostitution der Jugendlichen wird ein Tabuthema angeschnitten. Heute kann man vor allem via Internet viele derartige Angebote entdecken, wo sich Schuelerinnen via Chatraeume fuer Geld anbieten. Natuerlich ist der Vater, der ja sehr konservativ ist, sehr bestuerzt ueber die Vorgaenge. Er kann es nicht begreifen und verzweifelt beinahe. Jedoch koennte man vor allem das Ende symbolisch gesehen als eine Abtrennung von Kind und Eltern ansehen. Irgendwann wird auch ein Kind fluegge und lernt selbst zu fliegen, wird selbstaendig. Auch so wird die Tochter – durch das Autofahren – selbstaendig, kann sozusagen auf eigenen “Raedern” stehen.

Obwohl der Film von der Jugendprostitution handelt, sieht man sehr wenig nackte Haut. Ich glaube, es ist dem Regisseur gelungen, weniger mit nackter Haut zu provozieren, als mit den Chrakteren etwas glaubhaft darzustellen.

Es ist interessant zu sehen, dass der Film in drei Teile unterteilt ist. Dabei werden unterschiedliche Titel benutzt. Eine davon ist Sonata, ein Begriff der in der Musikwelt bekannt ist. Interessanterweise ist auch eine Sonata in drei Teile unterteilt.

Des weiteren ist Sonata auch ein Beruhigungsmittel, welches bei Insomnien benutzt werden kann. Jedoch handelt es sich nicht um ein Benzodiazepinprodukt. Ich glaube jedoch nicht, dass der Regisseur auf dieses speziellen Mittel hinweisen wollte.

Samaria ist ein Begriff, den man aus dem nahen Osten (heutiges Israel) kennt. Aber ich denke, fuer heute habe ich genuegend den Filmkritiker gespielt ;-)

Internet quo vadis?

Wednesday, February 2nd, 2005

Das Internet ist eigentlich ein grosser Segen. Wo waeren alle internationale Organisationen heute, wenn es kein Internet gaebe? Der gesamte Fortschritt ist wirklich enorm. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als wir bei der Arbeit einen Mainframerechner hatten, der einfach seine Zeit fuer Berechnungen benoetigte.

Damals konnten wir einen Kaffee trinken gehen, wenn wir unsere Rechnungen aufgesetzt hatten. Nach etwa 15 Minuten “Bedenkzeit” begann dann der Drucker zu rattern. Und wehe es gab damals ein Steuerzeichenfehler, dann konnten wir den ganzen Kram nochmals aufsetzen. Oder wehe man drueckte aus Versehen einmal die Escapetaste ganz oben links auf der Tastatur des ASCII Terminals. Die “Wenger”-Matrix-Drucker damals wurden durch ASCII Zeichen gesteuert, denen jeweils das Escape vorangesetzt wurde.

Wie so oft begann dann der Drucker ploetzlich breit, fett oder kursiv zu drucken, obwohl das ja niemand wollte. Danach konnten wir den ganzen Text nochmals erfassen, damit wir die Escape-Sequenz ja loeschten.

Oder unsere Ueberseefrachtdokumente wurden auf einer Kopiermaschine mit diversen Steuermasken gedruckt. Das Originaldokument wurde noch mit der Schreibmaschine erfasst, danach durch die Kopiermaschine gelassen, so dass man dann diverse Dokumente erhielt. Ich glaube, die Firma bei der ich damals arbeitete und auch die Berufslehre absolvierte, besass die Kopiermaschine als einer der ganz letzten Firmen.

Danach ging’s dann rapide voran mit der Entwicklung. Damals gab es als erstes noch das sogenannte Videotextbanking. Das waren einfache Terminals, die via Telefon/Modem an ein System gebunden waren. Die sogenannten BTX Systeme waren sehr langsam. Auch hatten wir eine Leitung zu unserer Filiale in Frankreich, welches ueber ein Modem lief, das sage und schreibe 300Baud/s lieferte.

Auch habe ich noch die alten Wechselplatten in Erinnerung, welche man als Backup benutzte. Riesenkuebel, welche auch nicht allzu zuverlaessig waren. Es nimmt mich schon wunder, ob wenigstens einige wenige es ins Museum geschafft haben.

Mit dem neuen System, das dann in die Bude kam, ging die Post richtiggehend ab. Da dachten Leute, sie haetten was falsch eingegeben, weil der Terminal gleich wieder mit dem Cursor sich zurueckmeldete, ungleich schneller als damals, als man noch seinen Kaffee in Ruhe trinken und ein Schwaetzchen im Gang halten, oder den neusten Lehrtoechtern nachzugucken…

Wir hatten damals dann auch mit Compuserve die erste Verbindung zum Internet. Erste Chatversuche habe ich dann auch auf dieser Plattform gemacht. Ich war dann auch stolz, einen 386 anstelle des alten 286 zu erhalten mit ganzen 112MB Harddisk. Das war ein Riesenfortschritt. Und wie oft habe ich Windows 3.1 installiert.

Damals habe ich auch die Computer oft zusammengebaut, auseinandergebaut, hab irgendwelche DIP eingestellt, damit die eine Grafikkarte wieder den korrekten IRQ ansprach, so dass kein IRQ-Konflikt mehr bestand. Wie oft hab ich auch Telefonnothilfe fuer Windowsidioten und aehnlichem gemacht.

Je besser die Technologie, je mehr wurden die Anfragen aus den Bueros der Filialen. Je einfacher die ganze Vernetzung war, desto schwieriger wurde es, die User auch dazu zu drillen. Immer wieder gab es diejenigen, die es besser wussten, die die eigene Disketten von zu Hause mitbrachten und somit das Firmennetzwerk mit einem weiteren Virus lahmlegten.

Die ersten ftp/tcp was auch immer Schritte habe ich auch damals in der Firma getan. Bis ich dann beschlossen hatte, an die Uni zu gehen.

Das war dann ein Riesenschritt. Weg von dem Riesen UNIX Server hin zu den verworrenen Architekturen an der Uni. Auch ein sich Angewoehnen an die Mac Rechner der Uni, die elend langsam waren. Die ersten noch monochrom, bald auch die fortgeschrittenen Rechner. Ich hab dann auch an der ETH dann die ersten SPARC Rechner benutzt, erste Schritte mit Solaris, erste Hackversuche auf Linux.

Ein weiterer Schritt war dann der Aufbau des Netzwerkes innerhalb des Studentenwohnheims. Wir schlossen auch einen Server an, mit dem wir dann Internetanschluss hatten. Das war dann wirklich das Nonplusultra. Viele hundert Stunden Fronarbeit gingen in den Aufbau des Netzwerkes. Viele hundert Stunden, die von einigen wenigen Bewohnern geleistet wurden. Es waren sehr lehrreiche Stunden.

Spaeter habe ich dann im Rahmen der Organisation, fuer die ich taetig war, viele Computer wieder zusammengebaut, hab mir meine eigenen Computer zusammengebaut, hab vermutlich viel zu viel Geld reingebuttert und hab den Server fuer das ganze Wohnheim gespielt.

Nun, heute sitze ich vor dem einfachen Laptop und tippe das ganze rein, online.

Heute rufe ich Leute via Skype an, kostenlos, abgesehen von den Kosten des Internetsanschlusses. Ich habe eine sehr schnelle Verbindung fuer mich ganz alleine. Kann via Internet meine Freunde in der ganzen Welt sehen und mich mit ihnen unterhalten. Ich manage meine Konti via Internet, bestell mir eine Pizza, kauf mir meine Tickets fuer die Eisenbahn via Internet. Chatte und flirte via Internet und kann auch SMS senden. Wie wird wohl die Zukunft aussehen, werden wir ohne Internet ueberhaupt noch auskommen?

Auch wo waeren wohl all die Organisationen wie G.O.A.’L ohne Internet? Wie lange wuerde die Korrespondenz wieder dauern, wenn bloss noch Briefe moeglich waeren. Und dennoch, wie rasch kann es sein, dass das Internet nicht mehr da waere? Einige wenige Angriffe auf Knotenpunkte oder auf die Energieversorgung eines Landes und schon ist man ausserhalb des Internets…

Das Matrix hat dich….