Die Tage werden kuerzer, die Naechte laenger. Die Temperaturen naehern sich bereits der Nullgradgrenze. Es ist lange her, seit ich etwas auf Deutsch hier reingeschrieben hab. Deutsch ist eh eine Sprache, die ich hier in Korea aeusserst selten benutz. Das ist nicht ohne Grund so. Die meisten Adoptierten hier unterhalten sich alle auf Englisch, wobei es eine gewisse Tendenz von den Frankophonen gibt, sich in eigenen Gruppen zu bewegen.
Das finde ich eigentlich schade, da wir alle ja eigentlich im selben Boot sitzen. Aber da zeigt es sich, dass auch hier in Korea alle Adoptierten Individualisten sind. Das ist einerseits – aus westlichem Standpunkt – natuerlich logisch. Andererseits macht es manchmal die Arbeit mit Koreanern dann etwas schwieriger.
Hier ist noch viel an Oeffentlichkeitsarbeit gefragt. Wer sind wir Adoptierten und wie koennen wir diese Individualitaet eins zu eins zu Koreanern rueberbringen? Das ist wohl eine Gleichung, die zu loesen praktisch niemand imstande sein wird.
Dennoch denke ich, dass sich vieles bewegen laesst. Auch Korea als Land ist – meiner Meinung nach – auf der Suche nach einer eigenen Identitaet. Zu lange war man der kleine Bruder der Grossmacht USA’s, zu lange war man von anderen abhaengig. Es gilt sich zu emanzipieren, eigenstaendig zu werden. Auch in Sachen Adoptionsindustrie sollte man eigenstaendig werden und nicht immer auf “auswaertige” Loesungen verfallen, auch wenn es eine sehr leichte und verlockende Loesung sein sollte.
Ein eigenes Sozialwesen aufzubauen wird schwierig sein und wird wohl auch auf sehr viele Hindernisse treffen. Die Chancen, die man hier jedoch hat, sind, dass man von anderen Laendern abgucken kann, wie sie die Probleme loesen oder geloest haben. Korea hat lange Zeit vom Westen abgekupfert, verbessert und auf den Markt geschmissen. Wieso soll das im Sozialwesen nicht anders sein? Eine Loesung massgeschneidert fuer Korea zu finden, das waere doch das Nonplusultra.
Ausserdem hat Korea je laenger je mehr mit den selben Phaenomen wie die restlichen Industriestaaten zu kaempfen. Sinkende Geburtenraten, aelter werdende Bevoelkerung. Wohin soll die Tendenz denn fuehren?
Muss Korea in allem das selbe werden wie die USA oder andere Industriestaaten?
Ich hoffe nicht.
Selbstverstaendlich sind meine Worte nur die eines Laien, der nicht viel Ahnung hat. Jedoch widerspiegeln diese Worte meine eigene Meinung. Wer etwas zu dieser Diskussion beitragen moechte, solle dies auch tun. Dazu ist diese Plattform hier auch geschaffen worden.