Nach 4 Monaten in Korea, ein erster Rueckblick und Aussicht ins neue Jahr 2004…
Urspruenglich in Korea geboren, wurde ich mit 5 Jahren in ein Flugzeug verfrachtet und in die Schweiz geflogen, um dort bei einer Schweizer Familie aufzuwachsen. Nach vielen Jahren in dieser fuer einen “Koreaner” doch fremden Umgebung bin ich nun an den Ort zurueckgekehrt. Mit den alten Parolen gesagt… “back to the roots”. Zurueck zu den Wurzeln.
Ist es jedoch eine Rueckkehr zu den Wurzeln? Wonach habe ich denn gesucht und habe ich es hier gefunden? Oder werde ich es finden?
Nun, fuer mich war Korea eigentlich meistens das Land, fuer das ich schwaermte, fuer das ich heimatliche Gefuehle empfand und fuer das ich jubelte, wenn das Fussballteam ein so starkes Fussballland wie Italien, Spanien oder Portugal schlug. Natuerlich ist auch nicht alles Gold was glaenzt. Es gibt in jedem Land auf dieser Welt Positives wie auch Negatives. Wonach habe ich jedoch gesucht? Zunaechst war es die Suche nach den leiblichen Eltern, der Familie der ich eigentlich entstammte und nach der ich jahrelang suchte. Nachdem ich 1994 nach 9 Jahren Suche endlich vor unserer Mutter stand, war es fuer mich eine Erloesung. Jedoch war es auch der Beginn fuer etwas neues, etwas, das nur langsam mit der Zeit entstehen konnte. Nach einer langen Zeit der Krise, der Wiederbesinnung und Erholung reiste ich letztes Jahr im Sommer wieder zum ersten Mal nach 8 Jahren nach Korea. In diesem Sommer hatte ich zum ersten Mal ein sehr starkes Gefuehl, dass ich unbedingt hierher, nach Korea, ziehen muesste. Es war unglaublich und zurueck in der Schweiz habe ich beinahe alles derart ueberstuerzt, dass ich viele Dinge vergass, nicht vorbereitete oder liegenliess. Auf andere mag es wie eine Flucht ausgesehen haben, fuer mich war es jedoch die Dringlichkeit, mit der es mich hierher zog.
Erst jetzt nach ca. 4 Monaten ist es mir moeglich, ueber das zu reflektieren, was letztes Jahr geschehen ist und was in mir vorgegangen ist. Vieles wird fuer Aussenstehende vermutlich schwierig sein nachzuvollziehen. Ich kann es aber auch selbst nicht beschreiben. Ich MUSSTE einfach hierherkommen.
Die Distanz zur Schweiz birgt etwas Beruhigendes, jedoch auch etwas Trauriges in sich. Einerseits vermisse ich meine Freunde aus der Schweiz. Andererseits moechte ich mich auch auf das Leben hier konzentrieren, welches sicher nicht einfach ist, mir jedoch oft viel Spass macht. Ich hatte das Glueck gleich nach meiner Ankunft hier in Seoul eine Stelle offeriert zu erhalten. Das ist etwas, was nicht viele meiner adoptierten Freunde passiert ist. Der allergroesste Teil der Kollegen hier arbeiten als Sprachlehrer, meist gar auf privater Basis. Einige arbeiten in einer der groesseren Hagwons (Sprachschulen) um – hauptsaechlich – Englisch zu unterrichten.
Die Distanz schafft insofern auch Probleme als ich Schwierigkeiten habe, Beziehungen auf Distanz beizubehalten. Das ist mir bisher eigentlich selten gelungen, zudem ich allgemein mit Beziehungen Probleme habe. Das eine kann damit erklaert werden, dass Adoptierte allgemein damit zu schaffen haben, dass man “verlassen” wurde. Dies fuehrt dazu, dass man niemanden genug nahe an sich heranlaesst, um ja nicht wieder verletzt zu werden. Zum Glueck gibt es heute auch das Internet, was mir erlaubt, relativ rasch und direkt Kontakt zu knuepfen.
Wie sieht nun meine Zukunft aus?
Ich werde vorlauefig in Korea bleiben. Mein Visum laueft in 2 Jahren aus und ich kann es bis zu 10 Jahre lang verlaengern. Insofern gibt es fuer mich keine Probleme in dieser Hinsicht. Ich bin daran mein Koreanisch so verbessern, dass ich problemlos in der Gesellschaft hier leben kann. Jedoch ist diese Sprache fuer jemanden, der in Europa aufgewachsen ist, doch sehr schwierig.
Ich arbeite momentan fuer die Adoptiertenorganisation G.O.A.’L (Global Overseas Adoptees Link). Aber darueber dann ein ander Mal.