Das Internet ist eigentlich ein grosser Segen. Wo waeren alle internationale Organisationen heute, wenn es kein Internet gaebe? Der gesamte Fortschritt ist wirklich enorm. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als wir bei der Arbeit einen Mainframerechner hatten, der einfach seine Zeit fuer Berechnungen benoetigte.
Damals konnten wir einen Kaffee trinken gehen, wenn wir unsere Rechnungen aufgesetzt hatten. Nach etwa 15 Minuten “Bedenkzeit” begann dann der Drucker zu rattern. Und wehe es gab damals ein Steuerzeichenfehler, dann konnten wir den ganzen Kram nochmals aufsetzen. Oder wehe man drueckte aus Versehen einmal die Escapetaste ganz oben links auf der Tastatur des ASCII Terminals. Die “Wenger”-Matrix-Drucker damals wurden durch ASCII Zeichen gesteuert, denen jeweils das Escape vorangesetzt wurde.
Wie so oft begann dann der Drucker ploetzlich breit, fett oder kursiv zu drucken, obwohl das ja niemand wollte. Danach konnten wir den ganzen Text nochmals erfassen, damit wir die Escape-Sequenz ja loeschten.
Oder unsere Ueberseefrachtdokumente wurden auf einer Kopiermaschine mit diversen Steuermasken gedruckt. Das Originaldokument wurde noch mit der Schreibmaschine erfasst, danach durch die Kopiermaschine gelassen, so dass man dann diverse Dokumente erhielt. Ich glaube, die Firma bei der ich damals arbeitete und auch die Berufslehre absolvierte, besass die Kopiermaschine als einer der ganz letzten Firmen.
Danach ging’s dann rapide voran mit der Entwicklung. Damals gab es als erstes noch das sogenannte Videotextbanking. Das waren einfache Terminals, die via Telefon/Modem an ein System gebunden waren. Die sogenannten BTX Systeme waren sehr langsam. Auch hatten wir eine Leitung zu unserer Filiale in Frankreich, welches ueber ein Modem lief, das sage und schreibe 300Baud/s lieferte.
Auch habe ich noch die alten Wechselplatten in Erinnerung, welche man als Backup benutzte. Riesenkuebel, welche auch nicht allzu zuverlaessig waren. Es nimmt mich schon wunder, ob wenigstens einige wenige es ins Museum geschafft haben.
Mit dem neuen System, das dann in die Bude kam, ging die Post richtiggehend ab. Da dachten Leute, sie haetten was falsch eingegeben, weil der Terminal gleich wieder mit dem Cursor sich zurueckmeldete, ungleich schneller als damals, als man noch seinen Kaffee in Ruhe trinken und ein Schwaetzchen im Gang halten, oder den neusten Lehrtoechtern nachzugucken…
Wir hatten damals dann auch mit Compuserve die erste Verbindung zum Internet. Erste Chatversuche habe ich dann auch auf dieser Plattform gemacht. Ich war dann auch stolz, einen 386 anstelle des alten 286 zu erhalten mit ganzen 112MB Harddisk. Das war ein Riesenfortschritt. Und wie oft habe ich Windows 3.1 installiert.
Damals habe ich auch die Computer oft zusammengebaut, auseinandergebaut, hab irgendwelche DIP eingestellt, damit die eine Grafikkarte wieder den korrekten IRQ ansprach, so dass kein IRQ-Konflikt mehr bestand. Wie oft hab ich auch Telefonnothilfe fuer Windowsidioten und aehnlichem gemacht.
Je besser die Technologie, je mehr wurden die Anfragen aus den Bueros der Filialen. Je einfacher die ganze Vernetzung war, desto schwieriger wurde es, die User auch dazu zu drillen. Immer wieder gab es diejenigen, die es besser wussten, die die eigene Disketten von zu Hause mitbrachten und somit das Firmennetzwerk mit einem weiteren Virus lahmlegten.
Die ersten ftp/tcp was auch immer Schritte habe ich auch damals in der Firma getan. Bis ich dann beschlossen hatte, an die Uni zu gehen.
Das war dann ein Riesenschritt. Weg von dem Riesen UNIX Server hin zu den verworrenen Architekturen an der Uni. Auch ein sich Angewoehnen an die Mac Rechner der Uni, die elend langsam waren. Die ersten noch monochrom, bald auch die fortgeschrittenen Rechner. Ich hab dann auch an der ETH dann die ersten SPARC Rechner benutzt, erste Schritte mit Solaris, erste Hackversuche auf Linux.
Ein weiterer Schritt war dann der Aufbau des Netzwerkes innerhalb des Studentenwohnheims. Wir schlossen auch einen Server an, mit dem wir dann Internetanschluss hatten. Das war dann wirklich das Nonplusultra. Viele hundert Stunden Fronarbeit gingen in den Aufbau des Netzwerkes. Viele hundert Stunden, die von einigen wenigen Bewohnern geleistet wurden. Es waren sehr lehrreiche Stunden.
Spaeter habe ich dann im Rahmen der Organisation, fuer die ich taetig war, viele Computer wieder zusammengebaut, hab mir meine eigenen Computer zusammengebaut, hab vermutlich viel zu viel Geld reingebuttert und hab den Server fuer das ganze Wohnheim gespielt.
Nun, heute sitze ich vor dem einfachen Laptop und tippe das ganze rein, online.
Heute rufe ich Leute via Skype an, kostenlos, abgesehen von den Kosten des Internetsanschlusses. Ich habe eine sehr schnelle Verbindung fuer mich ganz alleine. Kann via Internet meine Freunde in der ganzen Welt sehen und mich mit ihnen unterhalten. Ich manage meine Konti via Internet, bestell mir eine Pizza, kauf mir meine Tickets fuer die Eisenbahn via Internet. Chatte und flirte via Internet und kann auch SMS senden. Wie wird wohl die Zukunft aussehen, werden wir ohne Internet ueberhaupt noch auskommen?
Auch wo waeren wohl all die Organisationen wie G.O.A.’L ohne Internet? Wie lange wuerde die Korrespondenz wieder dauern, wenn bloss noch Briefe moeglich waeren. Und dennoch, wie rasch kann es sein, dass das Internet nicht mehr da waere? Einige wenige Angriffe auf Knotenpunkte oder auf die Energieversorgung eines Landes und schon ist man ausserhalb des Internets…
Das Matrix hat dich….